Young-Ha Kim – Aufzeichnungen eines Serienmöders

Young-Ha Kim
Aufzeichnungen eines Serienmöders
Der deutsche Titel führt reißerisch in die Irre, denn eigentlich geht es um ei- nen Siebzigjährigen, der in die Demenz gleitet. Dass Byongsu Kim in seinem langen Leben zeitweise Serienmörder war, das fällt ihm jetzt wieder ein. Das löst bei ihm jedoch keine moralischen Bedenken aus, habe doch jeder Soldat im vergangenen Krieg weitaus mehr Menschen ermordet, als er in seinem kleinen Privatleben.

Da Herr Kim diese Aufzeichnungen selbst schreibt sind wir als Leser_innen seinem Vergessen und seinem fehlerhaften Erinnerungsvermögen ausge- setzt! Das reizt zum Lachen! Auch wenn dement werden oder ein Serienmör- derdasein an sich nichts Lachhaftes haben, so liegt die Komik in Kims Ver- blüffung über sich selbst. Er ist aberwitzig bemüht einem gewissen Jutae Park, den er für einen Serienmörder seines Schlages hält, auf die Schliche zu kommen, was ihm partout nicht gelingen will. Niemand sieht die Zusammen- hänge so, wie er sie sieht, nicht mal er selbst.

Er behilft sich mit einem Diktiergerät und unzähligen Notizzettelchen, die er jeden Tag ordentlich in sein Büchlein überträgt (dessen Kopie wir in den Hän- den halten) und so erleben wir mit ihm gemeinsam all die unerwarteten Wen- dungen, die solch ein langes Leben hervorbringen kann. Am Ende der Lektü- re war man selbst für eine kurze Zeit dement gewesen.

Der Autor Young-Ha Kim hat tatsächlich durch eine Kohlenmonoxidvergiftung einen Erinnerungsverlust seiner ersten zehn Lebensjahre erlitten. Er hat für seine Romane in Korea unzählige Auszeichnungen bekommen (u.a. Hwang- Sun-won-Literaturpreis, Yisan-Literaturpreis, Tongin-Literaturpreis). Zur Zeit unterrichtet er an der Columbia University in New York.

Ein Buchtipp von Elfe Brandenburger

ISBN 978-3-94475-122-1
cass-verlag – 20,00 €
Originaltitel: Salinja-ui gieok-beob
Übersetzt aus dem Koreanischen von Inwon Park

 

vonpaula

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