Louis Édouard-Im Herzen der Gewalt

Louis Édouard-Im Herzen der Gewalt

Louis ist Gewalt widerfahren. Er muss das, an was er gerade arbeitet unterbrechen,
um darüber zu schreiben. So erzählt auf der Frankfurter Buchmesse 2017.

Louis hat am Weihnachtsabend seine Freunde besucht. Angetrunken läuft er von
der Metro zu seiner Wohnung und begegnet einem unbekannten attraktiven
Jungen. Er nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Und dort geschieht etwas, das ihm
die Sprache raubt – er rechnet damit ermordet zu werden.
Als er wider Erwarten doch überlebt, weiss er nicht was er mit sich anfangen soll –
seine Freunde raten ihm zur Polizei zu gehen – er tut es widerwillig, erstattet
Anzeige und es hilft ihm nicht. Er irrt umher in der Unmöglichkeit das Erlebte zu
vermitteln. Er fährt raus aus Paris aufs Land, in den kleinen Ort, in dem er
aufgewachsen ist, besucht dort seine große Schwester Clara, erzählt ihr haarklein
was ihm widerfahren ist, schläft endlich vor Erschöpfung ein. Als er am nächsten
Morgen erwacht, vernimmt er die Claras Stimme, die im Begriff ist, seine
Geschichte ihrem Ehemann zu erzählen. Er schleicht zur Tür und lauscht seiner
eigenen Erzählung aus dem Mund seiner Schwester. Er kommentiert, dementiert
und ergänzt ihre Worte in Gedanken. Und das ist das Buch, das wir lesen! Ein sich
selbst Lauschender, der mit dieser vertraulichen Distanz eine Möglichkeit formuliert
das Erlebte zu packen und zu bewältigen. Oder nicht?

Louis Édouard gilt als der Shootingstar der Pariser Literaturszene. Mit seinem
Debütroman Das Ende von Eddy (En finir avec Eddy Bellegueule) hat er
2014 einen Bestseller gelandet. Édouard hat bei Didier Éribon an der École
normale supérieure Soziologie studiert.
2014 wurde ihm der Pierre-Guénin-Preis gegen Homophobie verliehen.

Ein Lesetipp von Elfe

 

Louis Éduouar- Im Herzen der Gewalt
ISBN 978-3-10-397242-9
S. FischerVerlag, 20 Euro
Originalausgabe Histoire de la violence, Paris 2017
Deutsche Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel, 2017

vonpaula

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